Rundtanzen - Geschichte

Das Tanzen auf dem Eis entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts aus der „Wiener Schule“ des Eiskunstlaufs. Nach der Gründung des Wiener Eislaufvereins am 7. 2. 1867 wurde Eislaufen in Wien ein populärer Freizeitsport. Insbesondere die Auftritte des amerikanischen Balletttänzers und Eiskunstläufers Jackson Haines am Platz des WEV 1868 trugen rasch zur Beliebtheit bei. Seine Übertragung des Wiener Walzers auf das Eis begeisterte das Wiener Publikum. Angelehnt an Tanzveranstaltungen auf dem Parkett, wurden daraufhin Kostümfeste und „Cotillons“ (Tanzspiele) auf dem Eis abgehalten. Mit der Zeit wurden so genannte „Tanzcorsos“ zum fixen Bestandteil des Wiener Gesellschaftslebens. Sie wurden regelmäßig zu bestimmten Tageszeiten abgehalten, bei denen eine Militärmusikkapelle Tanzmusik spielte.

Während Eiskunstlauf für Damen und Herren und Paarlauf, unter maßgeblicher Beteiligung der Wiener Eislaufvereine, als Wettkampfsportarten etabliert wurden, blieb das Eistanzen bis in die 1920er Jahre ein rein gesellschaftliches Vergnügen. Mit der Einführung einer internationalen Wettkampfordnung 1929 wurde Eistanzen schließlich zu einer Disziplin des Eiskunstlaufs.

In Wien hat sich mit dem Rundtanzen die ursprüngliche Form des Eistanzens erhalten und wird weiterhin ausgeübt. Die meisten, bis heute verwendeten Schrittfolgen, gehen auf die Anfänge zurück. Durch technische Entwicklungen an den Schlittschuhen und Veränderungen des Musikgeschmacks ist es aber zu wesentlichen Weiterentwicklungen gekommen. So wurden Drehungen früher etwa beidfüssig ausgeführt und das Übersteigen war unüblich. Auch der heute übliche Mohawk war in den Anfangsjahren noch nicht bekannt - damals wurden noch sogenannte Gegendreier getanzt. Aus diesen entwickelte sich dann der "Amerikaner" (eine Art Mowhawk). Mit neuen Musikrichtungen wurden auch neue Tänze eingeführt (z.B. Tango).

Die Schrittfolgen wurden von einer Generation an die nächste, oft innerhalb der Familie, weitergegeben. Obwohl viele Tänze schriftlich dokumentiert sind, erfolgt die Weitergabe hauptsächlich mündlich und durch Vorzeigen direkt am Eis.